In diesem Artikel beantworten wir Ihnen zahlreiche Fragen, die uns häufig zum Vermauern von historischen Ziegelsteinen gestellt werden.
Wenn zwischen Mörtel und Mauerziegel ein bauphysikalisches Gleichgewicht erreicht werden soll, so muss zunächst die Wasseraufnahmefähigkeit und die Wasserabgabefähigkeit beider Materialien annähernd gleich sein, da ein Ungleichgewicht zu unterschiedlichen Ausdehnungswerten und damit zur Rissbildung führt. Ein Zementmörtel mit seinem feinen Gefüge kann zum Beispiel die aufgenommene Feuchtigkeit nicht so schnell wieder abgeben wie ein poröser, offenporiger Ziegelstein. Dadurch sitzt die Feuchtigkeit in der Fuge und führt bei Frost zu entsprechenden Schäden am Mauerwerk.
Grundsätzlich gilt die Regel, dass die Festigkeit des abgebundenen Mörtels immer geringer, also etwas weicher sein sollte als die Festigkeit des vermauerten Ziegelsteins. Ein poröser und weicher Feldbrandstein sollte eher mit einem grobkörnigen Kalkmörtel vermörtelt sein, während ein hartgebrannter Klinker eher mit einem festen und feineren Zementmörtel vermauert werden kann.
Ein weiter Vorteil der Anwendung von weichen Mörtelmaterialien ist die Tatsache, dass Schäden an solchen Bauten mit wenig Aufwand reparabel sind, da die Steine leichter wieder herausgenommen werden können. Eine mit Zementmörtel ergänzte oder reparierte Mauer ist nur um den Preis von zerstörten Steinen wieder reparabel, denn Steine und Zementmörtel können nur noch mit Hammer und Meißel getrennt werden.
Bei den früheren Massivbauten wurde fast ausnahmslos vollfugig gearbeitet, das heißt der Stein wurde in ein volles Mörtelbett gelegt. Der beim festdrücken des Steins herausquellende Mörtel wurde mit der Kelle abgestrichen. Diese bündige Fuge hatte den Vorteil, dass sie aus einem Guss war und es weniger zu Abplatzungen kam als beim historisch jüngeren zweistufigen Verfugen, das mit dem 19. Jahrhundert in Mode kam. Nachteilig war die vorgegebene Farbe.
Mit dem Verfugen in einem separaten Arbeitsgang musste begonnen werden, bevor der Mörtel ganz ausgehärtet war, um eine Verbindung beider Teile zu ermöglichen. Mit einer schmalen Fugenkelle oder einem extra angefertigtem Fugenholz wurde die Fuge etwa 15-20 mm aufgekratzt, von Staub und Mörtelresten befreit und mit einer Bürste ausgewaschen. Das Fugenholz hatte den Vorteil, dass der Mörtel nicht wie bei der Fugenkelle geglättet wurde, sondern rauh blieb.